Interview mit Packaging Valley Geschäftsführer Martin Buchwitz und Mitgliedsunternehmen HERMA GmbH

 

"Viele Unternehmer handeln aus innerer Überzeugung nachhaltig"

Energieeffizienz spielt im Verpackungsmaschinenbau eine zunehmend wichtige Rolle, ist aber nicht der einzig relevante Nachhaltigkeitsaspekt. Martin Buchwitz, Geschäftsführer des Packaging Valley, spricht im Interview mit HERMA GmbH darüber, wieso er trotz wachsenden internationalen Wettbewerbs die deutschen Unternehmen in einer exzellenten Position sieht, warum er sich über den Beitritt von HERMA freut und welche Rolle Podcasts in der Kommunikation spielen.

 

Frage: Das Packaging Valley konnte zuletzt viele neue Unternehmen gewinnen. Womit erklären Sie sich das wachsende Interesse?

Martin Buchwitz: Ein Grund dafür ist sicherlich die Fusion mit dem PEC, dem Packaging Excellence Center Region Stuttgart, die 2020 vollzogen wurde. Der griffigere Name, also Packaging Valley, blieb erhalten. Das Packaging Valley wurde dadurch einfach schlagkräftiger und erhielt mehr Gewicht. Das zieht automatisch andere Interessenten nach sich. Aber man muss auch sagen, dass das Packaging Valley in der Vergangenheit vor allem im Bereich Social Media eher zurückhaltend war – das haben wir geändert.

Auch in dieser Hinsicht hat also ein Sinneswandel stattgefunden?

Ich selbst habe mehr als 15 Jahre Marketingerfahrung auf Unternehmensseite, davon viele Jahre in leitender Funktion bei einem Automatisierungsspezialisten. Nach meinem Antritt 2019 beim Packaging Valley war mir klar, dass in dieser Kommunikation etwas getan werden musste, etwa im Social Media Bereich, aber auch durch neue Formate wie etwa einen Podcast. Das zahlt sich inzwischen aus. Wir haben jetzt über 100 Mitglieder, obwohl wir weiterhin keine aktive Akquise betreiben. Mitgliederzuwachs ist aber für das Packaging Valley kein Ziel an sich. Wir wollen uns weiterhin auf den süddeutschen Raum konzentrieren. Dabei geht Qualität vor Quantität. Ebenso wichtig ist uns der starke Fokus auf den Verpackungsmaschinenbau und entsprechende Automatisierungstechnologie.

Das Packaging Valley hatte einen aufmerksamkeitsstarken Auftritt auf der FACHPACK. War auch das Teil der Kommunikationsoffensive?

Alles, was wir machen, soll und muss den Mitgliedern dienen und Nutzen stiften. Der Gemeinschaftsstand des Packaging Valley auf der Fachpack war zwar als solcher klar zu erkennen. Aber die einzelnen Unternehmen, ihr Produktportfolio und ihre Botschaften standen klar im Vordergrund. Und die Besucher kamen in erster Linie, weil sie nach technischen Lösungen suchten und auf unserem Stand schnell Ansprechpartner für sehr unterschiedliche Aspekte ihrer individuellen Problemstellung finden konnten. So sollte es auch sein. Aber natürlich haben wir uns auch darüber gefreut, dass sich manche Besucher über die Arbeit des Packaging Valley informiert haben.

Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass mit HERMA jetzt erstmals Etikettiertechnologie ins Packaging Valleys einzieht?

Wir hatten vorher schon ein, zwei Unternehmen dabei, bei denen die Etikettiertechnik eine Rolle spielt, aber HERMA ist jetzt der Erste, der sich auf dieses Thema tatsächlich konzentriert. Der Beitritt von HERMA bringt uns also eine deutlich andere Qualität. Für das Packaging Valley wird es ja immer wichtiger, die gesamte Wertschöpfungskette der Verpackungstechnologie zu betrachten. HERMA bzw. die Etikettiertechnik ist dabei ein wichtiger Baustein.

Mehr Nachhaltigkeit lautet das Gebot der Stunde. Welche Rolle spielt dieser Aspekt bei den Mitgliedern des Packaging Valley?

In den letzten Jahren war immer deutlicher zu spüren, dass unsere Mitglieder zunehmend aus einer inneren Überzeugung heraus nachhaltig handeln oder handeln wollen, und nicht etwa deshalb, weil das Thema gerade en vogue ist. Das liegt vielleicht unter anderem daran, dass viele unserer Mitglieder nach wie vor im Familienbesitz und in ihrer Region fest verwurzelt sind. Das trifft ja auch auf HERMA zu. Diese Unternehmen fühlen sich verantwortlich für ihre Heimat. Ihnen ist zudem bewusst, dass man auf sie schaut und vielleicht eine Vorbild- oder Vorreiterrolle erwartet.  

Wie unterstützt das Packaging Valley dabei seine Mitglieder?

Wir haben einen eigenen Arbeitskreis zu diesem Thema gestartet. Dort betrachten wir Nachhaltigkeit unter verschiedenen Aspekten. Zum einen geht es um die Unternehmen an sich, um ihre Lieferkette, ihre Energieversorgung, aber natürlich auch das Verhalten ihrer eigenen Mitarbeiter. Der zweite Aspekt ist die eigentliche Verpackungsmaschine. Da geht es zum Beispiel um die Frage nach ihrer Energieeffizienz, aber auch um die Verfahren und Materialien, die für ihre Fertigung verwendet werden. Der dritte Aspekt ist dann die Verpackung, insbesondere das zu verarbeitende Verpackungsmaterial. Insofern ist der Verpackungsmaschinenbau eine Schlüsselbranche. Die Hersteller von Verpackungsmaterialien haben viele gute Ideen und Lösungen, gerade auch was Nachhaltigkeit angeht. Aber am Ende des Tages muss es auf der Verpackungsmaschine verarbeitet werden. Für alle drei Aspekte ist der Austausch der Mitglieder untereinander ganz entscheidend und sehr befruchtend, gerade für kleinere und mittelgroße Unternehmen.  

Wo sehen Sie die Stärken der deutschen Verpackungsspezialisten? Wie können sich die heimischen Unternehmen in einem stärker werdenden internationalen Wettbewerbsumfeld weiterhin behaupten?

Bei Verpackungsmaschinen geht es vielfach um Sondermaschinenbau. Solche Anlagen kann man nicht von der Stange kaufen. Um sie zu realisieren, benötigt man nicht nur die Technik, sondern auch jahrzehntelange Erfahrung beim Maßschneidern solcher Lösungen. Gerade der deutsche Maschinenbau profitiert zudem von einem außergewöhnlichen großen Vertrauen auf Kundenseite. Dieses Vertrauen muss man sich hart erarbeiten. Das reicht von den eingesetzten Materialien und Komponenten, über die komplette Projektabwicklung bis zum zuverlässigen Service über viele Jahre hinweg. Jede Stillstandsminute im Verpackungsbereich kostet ja richtig Geld. Kunden wollen deshalb nicht einfach eine Maschine kaufen, sie wollen sichere und effiziente Prozesse bekommen, oft rund um die Uhr, und zwar nicht nur in besonders kritischen Branchen wie Pharma oder Food. Das funktioniert nur, wenn das gesamte Paket stimmt. Nicht zu vergessen: Wenn es um Automatisierung geht, sind deutsche Unternehmen weltweit die Nr. 1. Wir haben also den innovativsten, qualitativ hochwertigsten Maschinenbau und gleichzeitig im eigenen Land und im Packaging Valley die Automatisierungspartner, die man notwendigerweise benötigt. Dieses enge Zusammenspiel spielt eine ganz wichtige Rolle. Diesen Wettbewerbsvorsprung zu halten und vielleicht sogar auszubauen ist ein wichtiges Ziel des Packaging Valley. Ich bin da sehr optimistisch, und die Mitglieder sind in dieser Hinsicht wachsam, aber entspannt.

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