Mehr Nachhaltigkeit in der Verpackungsbranche – was können Maschinen und Anlagen dafür tun?

Oder wenn die Bio-Gurke in Folie verpackt ist. Welche Verpackung ist unnötig, welche absolut unverzichtbar? Und wo bitte landet das Plastik nachher? Recycelbar oder nicht? Fragen, die zurecht an die Verpackungsindustrie gestellt werden müssen. Ganz sicher, sie ist eine der Industrien, die zum Thema Nachhaltigkeit unzählige Diskussionen bereits hervorgerufen hat und immer noch auslösen wird. Und doch ist die Verpackung spätestens seit 2020 noch mal in ein ganz anderes Licht gerückt. Denn sie ist vor allem für den Schutz des Produkts da. Die Verpackungsindustrie wird zu Beginn der Covid-19-Pandemie Anfang 2020 als systemrelevant eingestuft. Im Packaging Valley läuft die Produktion und Entwicklung neuer Hilfsprodukte auf Hochtouren. So haben zum Beispiel eine ganze Reihe von Mitgliedsunternehmen Maschinen und Anlagen zum Abfüllen von Impfstoffen entwickelt und bereits beim Kunden am Laufen.

Dass Verpackungsproduzenten einen Beitrag in Sachen Umweltschutz leisten, ist ganz gewiss ihre Pflicht. Und ja, Sie tun es und dabei sind sie nicht allein. Denn klar ist auch, Nachhaltigkeit muss in der Wertschöpfungskette von Anfang an eine Rolle spielen. Mit der Verpackungsgestaltung fängt es nicht an und hört mit der fertig verpackten Ware nicht auf. Genauso muss es Lösungen für eine effiziente Produktion, zur schonenden Materialherstellung, aber auch zu Entsorgung und Wiederverwertbarkeit geben.

Was bedeutet das Thema Nachhaltigkeit im Packaging Valley?

Die Verpackungsspezialisten im Packaging Valley liefern Maschinen, Anlagen und Komponenten. Nachhaltigkeit hat für sie mehrere Aspekte. Es geht um Material, Ressourcen, um die Produktion, aber auch um das Produkt selbst. Macht es die Maschine nicht möglich, sind neue und nachhaltige Verpackungslösungen erst gar nicht wirtschaftlich umsetzbar. In den meisten Fällen arbeiten Maschinenbauer, Verpackungsproduzenten und Lebensmittel-, Produkt oder auch Konsumgüterhersteller eng zusammen. Für uns im Packaging Valley beginnt Nachhaltigkeit bereits beim Einkauf von Material und Komponenten.

>> So bietet zum Beispiel das Packaging-Valley-Mitglied Komet Vakuumverpackungsmaschinen, die fast vollständig aus recyclingfähigen Bauteilen bestehen. Die Entsorgung dieser Maschinen am Ende der Lebensdauer ist einfach und geschieht vor allem mit gutem Gewissen.

Podcast: „Nachhaltig kaufen, arbeiten und entsorgen – so profitiert der Kunde“
https://open.spotify.com/episode/23ZCXJe901blHsqhQxPo4l

Wo sonst, wenn nicht hier: Nachhaltigkeit bei Material und Design

Kann es eine flexible Maschine geben, die mit unterschiedlichen Materialien zuverlässig arbeitet? Auf die Frage des Kunden folgt ein klares Ja. Doch häufig ist es vor allem eine Kosten- und Zeitfrage. Denn die Aufwände für Umrüstungen und neues Zubehör sind nicht unerheblich. Dazu kommt die Anforderung nach gleichbleibender Qualität. Das betrifft das Design, also Aussehen und Funktionalität, aber auch die Schutzwirkung der Verpackung. Für wen diese eine hochflexible und leistungsstarke All-inclusive-Maschine einfach nicht wirtschaftlich ist, der findet in mehreren kleineren Maschinen die bessere Lösung. So lassen sich unterschiedliche Produkte und Materialien ohne komplexe Umrüstungen gleichzeitig bearbeiten.

Und welche Materialien stehen hoch im Kurs? Papier wird oft als alternatives Verpackungsmaterial genannt, ist aber in der Umsetzung nicht immer die erste Wahl. In den Punkten Schutz und Handhabbarkeit steht Papier weit hinter der gewöhnlichen Kunststoffverpackung. Es reißt schneller oder bietet keinen sicheren Schutz. Jetzt könnte man meinen, beschichtetes Papier ist die Lösung? So einfach ist es nicht, denn Verpackungen aus mehreren Materialien lassen sich kaum oder nur sehr aufwändig recyceln. Wirklich nachhaltige Lösungen basieren auf Monomaterialien, also aus einem Material.

>> Die Optima Packaging Group spricht von der „Ehrlichen Verpackung“ und entwickelt 100-Prozent-Lösungen in enger Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden, die vollständig recycelbar sind. Nachhaltigkeit heißt bei Optima aber auch Flexibilität. Die Maschine soll für unterschiedliche Materialien einsetzbar sein und das ohne lange Umrüstungszeiten.

Noch ein Podcast. „Müll ist das Ergebnis schlecht konzipierter Verpackungsprozesse“
https://open.spotify.com/episode/4dl00r7LZxz2zJZ9TTOrmr

Damit Papier tatsächlich eine nachhaltige und recycelbare Alternative ist, darf es nicht beschichtet sein und muss den positiven Eigenschaften von Kunststoff so nahe wie möglich kommen. Dafür sind sehr schonende und präzise arbeitende Maschinenmodule notwendig. Eine weitere Alternative ist Bioplastik. Die Verarbeitung von Bioplastik ist bereits heute schon auf vielen Maschinen ohne große Umbauten möglich.

Exkurs Bioplastik: Biokunststoffe werden oft als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen dargestellt. Sie werden nicht mehr aus fossilen Rohstoffen gewonnen, sondern aus nachwachsenden Ressourcen, wie z.B. Pflanzenreste. Problemlos recycelbar sind aber nur die sogenannten Drop-ins. Drop-in-Kunststoffe gleichen in ihrer chemischen Struktur den herkömmlichen Kunststoffen und können daher genauso entsorgt werden. Dazu gehören Bio-PE (Polyethylen), Bio-PP (Polypropylen) oder Bio-PET (Polyethylenterephthalat). Aber nur manche von ihnen sind vollständig biologisch abbaubar, da häufig immer noch Zusätze enthalten sind. Eine separate Müll-Sammlung für Biokunststoffe gibt es leider auch noch nicht. Über Kunststoffe im Biomüll sind Kompostierer nicht sonderlich begeistert.

>> Bei Verpackung ohne Kunststoff setzt Harro Höfliger unter anderem auf die Side-Loading-Technologie. Dabei kommen sogenannte Inlays zum Einsatz. Diese Einsätze aus Monokarton werden zunächst mit den zu verpackenden Produkten befüllt und im Anschluss in die Faltschachtel eingeschoben. Blister oder Trays aus Kunststoff braucht es dann nicht mehr. Ein weiterer Vorteil dieser Verpackungsvariante ist der vergleichsweise geringe Energieverbrauch.

Monomaterialien spielen also eine wichtige Rolle in der Kreislaufwirtschaft (Circular Packaging). Häufig jedoch sind immer noch „Fremdstoffe“ enthalten. Dafür braucht die Verpackung lediglich bedruckt sein. Wir müssen uns also fragen, welcher Anteil an Fremdstoffen für das Recycling akzeptabel ist. In Deutschland gibt es eine Fünf-Prozent-Grenze, die im Wesentlichen die Entsorgung regelt. Den Grünen Punkt kennen wir doch alle. Besteht die Verpackung zu 95 Prozent aus Papier, zahlt man den Abgabebetrag für Papier. Liegt der Anteil niedriger, zahlt man die Abgabe für Verbundstoffe.

>> Eine Lösung, die dem entgegenkommt, bietet die ZAP-Technologie des Packaging Valley Mitglieds Syntegon. Sie ermöglicht eine staubdichte Siegelung von Papier. Das ist eine partielle Beschichtung mit einem Siegelmedium, das üblicherweise weniger als fünf Prozent beträgt. Es bleibt bei einem recycelbaren Monomaterial und trotzdem ist die Produktsicherheit garantiert.

Ressourcen einsparen

Material ist das eine, Nachhaltigkeit hat aber noch viele weitere Aspekte. Die Senkung von Betriebskosten gehört definitiv auch in die Debatte um nachhaltigere Verpackungskonzepte. Schließlich geht es um den gesamten Fußabdruck. Wie kann der Energieverbrauch während der Produktion reduziert, wie die Maschine effizienter gemacht werden? Oder wie kann der Materialverbrauch geringer werden, garantiert auch eine dünnere Verpackungsdicke den gleichen Schutz? Robotik- und Automatisierungslösungen in Kombination mit digitalen Möglichkeiten sind notwendig, um mehr Effizienz zu erzielen. So gibt es zum Beispiel digitale Konzepte und Tools, die eine vorausschauende Wartung ermöglichen. Im Packaging Valley gibt es davon unzählige Produkte und Lösungen. Diese reichen von der energieeffizienten Produktion, flexiblen Bearbeitung unterschiedlicher Materialien, langlebiger Qualität der Maschinen bis hin zu digitalen und virtuellen Anwendungen, die die Bedienung leichter machen.

>> Dass digitale Methoden zu nachhaltigem Arbeiten beitragen können, sieht man am Beispiel des „Maintenance Managers“. Ein von Harro Höfliger entwickeltes digitales Tool, das Schritt für Schritt Wartungen durchführt, dokumentiert und kontinuierlich optimiert. Bessere Planbarkeit und erhöhte Maschinenverfügbarkeit sind die Ergebnisse. Und das wiederum reduziert Energiekosten.

Aus Alt macht Neu

Ausgediente Maschinen oder Maschinen, die nicht mehr den neuen Standards entsprechen, werden generalüberholt und aufgerüstet. Aus Alt mach Neu funktioniert eben immer noch und ist aktueller denn je. Im Packaging Valley gibt es eine Reihe von Anbietern, die alte Maschinen von Kunden mit innovativen Komponenten ausstatten und ihnen neues Leben einhauchen.

Lang lebe das Produkt

Nicht zu vergessen ist der Schutz des Produkts und dessen Haltbarkeit. Gerade im Pharma- und Lebensmittelbereich ist das eine notwendige Anforderung. Geht es um Müllvermeidung, dann ist eben auch die Haltbarkeit der Produkte ein wichtiger Punkt. Im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung hat die Verpackung definitiv eine der Hauptrollen gewonnen. Ein Beispiel: Durch das Vakuumieren von Lebensmitteln in entsprechend geeigneten Verpackungen kann die Haltbarkeit um ein Vielfaches gegenüber der ursprünglichen Haltbarkeit ohne Verpackung gesteigert werden. Lange Zeit waren für das Vakuumieren der Lebensmittel nur Beutel aus Kunststoff geeignet. Mittlerweile gibt es diese auch aus recycelbarem Material. Bei intelligentem Vakuumieren kann der gleiche Beutel ein weiteres Mal dafür eingesetzt werden. Haltbarkeit des Produkts und genauso die Wiederverwendbarkeit von Verpackungsmaterial sind wichtige Kriterien in unseren Überlegungen.

Wo stehen wir also?

Fakt ist, die Verpackungsindustrie ist auf der Suche nach den besten Optionen und präsentiert ihren Kunden immer wieder neue Technologien, die nachhaltige Verpackungslösungen möglich machen. Lösungen für vollständig recycelbare Monomaterialien, die vor allem für flexible Verpackungen geeignet sind, werden entwickelt. Einbußen bei der Anlageneffektivität werden dabei so gut es geht reduziert. Die schützenden Eigenschaften von Verpackungen dürfen jedoch nicht verloren gehen. Dort wo höhere Schutzanforderungen notwendig sind, müssen die individuellen Details geprüft werden. Vielleicht müssen dann auch Kompromisse in den Punkten Recycelbarkeit, Haltbarkeit, Materialkosten und Anlagenausbringung eingegangen werden. Vor allem aber dort, wo Overpackaging betrieben wird, lassen sich Einsparlösungen ganz bestimmt finden. Ein Tipp für den Anwender von Verpackungsmaterialien ist, frühzeitig zu testen und mit Maschinenherstellern eng zusammenzuarbeiten. In enger Zusammenarbeit zwischen Maschinenbauer und Produkthersteller entstehen die besten Ergebnisse.

>> Für unsere Leser zusammengefasst:

  1. Verpackungsmaschinen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Verpackungen nachhaltig zu gestalten.
  2. Die 100-Prozent-Lösung ist das Ziel. Nur Monomaterialen lassen sich sehr gut recyceln.
  3. Nachhaltigkeit hat weitere wichtige Aspekte: Effiziente Produktion, schonende Ressourcennutzung, Langlebigkeit der Maschinen und verpackten Produkte, Reduktion der Betriebskosten.
  4. Digitalisierung und Automatisierung sind die Schlüssel zu mehr Effizienz und zum schonenden Umgang mit Ressourcen und Material.

Einen Vortrag zu diesem Thema habe ich auf dem virtuellen Henkel Sustainablity Forum im November 2020 gehalten.

Haben Sie Fragen zu diesem Artikel, schreiben Sie mir.
info@packaging-valley.com

Ihr Martin Buchwitz
Geschäftsführer Packaging Valley e.V.

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